Beitrag veröffentlicht am: 10. September 2004
Letzte Woche ist der Sommer zurückgekehrt. Vorher war total verregnetes
Wetter und die Schweden haben mir schon Angst gemacht, denn sie meinten hier ist
es immer so. Als sich dann am Wochenende die Sonne wieder zeigte, habe ich die
Chance gleich genutzt und mich auf mein Fahrrad geschwungen.
Leider hab ich schon mit diesem Beitrag es nicht geschafft, mein Ziel von einem
Beitrag in 7 Tagen einzuhalten. Aber als Ausrede möchte ich die vielen
Belege anbringen. Wie sich genau das Studium hier an der BTH gestaltet, werde ich
dann nächste Woche erzählen...
Etwa 10 km nördlich von Ronneby ist ein Naturschutzgebiet. Auf meiner
doch etwas ungenauen Karte sah es so aus, als ob lediglich 2 Wege das Gebiet
durchqueren. Kaum einen Kilometer nachdem ich die Bundesstraße verlassen
hatte stellte ich aber fest, dass es doch verdammt viele Wege gibt und dass das
gesamte Gebiet von Seen durchzogen ist.
Abseits von den Hauptstraßen sind die Wege nicht mehr befestigt. Die Wege
ähneln eher gut ausgebauten deutschen Forstwegen. Die Wege sind eng, wenn
sich wirklich mal 2 Autos begegnen, heißt es rückwärts fahren
bis sich eine Ausweichstelle findet. Das Problem hat man natürlich nicht,
wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist.
Richtig einsam ist die Gegend aber nicht. Überall im Wald verstreut findet
man ganz vereinzelt gelegene Häuser. Das sind oft natürlich
Ferienhütten, aber auch echte Schweden leben hier. Wenn ein Volvo vor dem
Haus steht kann man sicher sein, dass auch ein Schwede drin ist.
Zu jedem Haus gehört natürlich auch ein See, denn soviel Seen wie es
hier gibt... Schweden ist das ideale Gebiet für Angler. Entweder man geht
hier im Binnenland sein Mittagessen jagen, oder direkt in der Ostsee. Überall findet man an den Seen Bootsstege und Badestellen. Fragt sich nur,
wer in dem kalten Wasser baden geht?
Auch für diejenigen, die nicht Angeln, gibt es eine natürliche
Nahrungsquelle: Pilze. Hier in der Gegend geht man aber nicht Pilze suchen,
sondern Pilze ernten. Denn man braucht eigentlich nicht mal ins Unterholz zu
gehen, soviel Pilze gibt es hier. Im Wohnheim haben wir schon Abendessen
für 10 Leute allein mit Pilzen bestritten.
Als Nachtisch stehen dann Blaubeeren und Brombeeren zur Verfügung. Da das
Wasser so klar ist, ist für Getränk auch gesorgt. Wer also nach
Schweden kommt, braucht eigentlich keine Lebensmittel zu kaufen...
Allerdings hat die Sache dann doch einen kleinen Haken. Im Wald wimmelt es nur
so von Zecken. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald hatte ich 2 Zecken
in den Kniekehlen. Leider gilt die Gegend auch als teilweise gefährdet bezüglich Meningitis und
Borreliose. Man sollte sich vorher impfen lassen. Nun ja, ich lebe immer noch, auch wenn ich natürlich nicht geimpft bin...
Doch zurück zu den schönen Sachen. Wie gesagt, unglaubliche Natur,
überall um mich herum. Der Kontrast ist beeindruckend: auf der einen Seite
das Meer und auf der anderen Seite dichte Wälder mit Seen. Und die Gegend
ist teilweise ganz schön bergig.
Auf dem Bild nebenan sieht man ein typisches schwedisches Haus weiter
nördlich in Langasjö bei Eringsboda. Typisch ist natürlich die
Farbgebung. Auf dem Land sieht man sehr viele Häuser in diesem Farbstil.
Dieser Anstrich hat aber nicht nur ästhetische Gründe. Für die
Farbe wird eine über 350 Jahre alte Mischung verwendet, die besonders
witterungsbeständig ist. So muss man den Anstrich nur ca. aller 30 Jahre
erneuern, auf der Wetterseite ca. aller 10 Jahre. Ob natürlich heute immer
noch die Farbe oder irgendwelche Kunstbeschichtungen verwendet werden, kann ich
nicht sagen.
Typisch ist auch die kleine schwedische Flagge am Eingang. Man findet eigentlich
auf jedem Grundstück eine Flagge. Vor sehr vielen Häusern steht ein
großer Mast mit einer oft sehr kleinen Flagge (wie ein Wimpel) dran. Oder
es stecken in den Blumenkästen an den Fenstern kleine Flaggen.
Soviel für heute. Der nächste Eintrag folgt schneller, versprochen!